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Leben der Elisabeth von Thüringen geschildert

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Die einstige ungarische Königstochter Elisabeth von Thüringen (1207 -1231) hat sich in vorreformatorischer Zeit mit ihren Lebensidealen gegen staatlichen und kirchlichen Einfluss durchgesetzt. So schilderte Physikprofessor Dr. Werner Heiland-Justi vor über 20 Besuchern im Kloster Altenberg das Leben der Heiligen und Wohltäterin, die im Mittelalter nicht nach den Normen ihrer Zeit gewirkt habe. Bei seinen Schilderungen ging Heiland-Justi auch auf die Bezüge der thüringischen Landgräfin zum Altenberg ein. Allgemein bekannt ist, dass sie ihre Tochter Gertrud (1227 – 1297) im Alter von vier Jahren zur Erziehung auf Veranlassung ihres Beichtvaters Konrad von Marburg in das einstige Prämonstratenserinnen-Kloster bei Oberbiel brachte. Ab 1248 war Gertrud die Meisterin dieses Ordenskonvents und veranlasste die Gründung von zwei Siechenhäusern, in denen man sich um Kranke kümmerte. Gertrud liegt heute in einem Tumbengrab im Chor der Klosterkirche begraben.

Der Referent Prof. Dr. Heiland-Justi wurde 1937 in Berlin geboren. Nach dem Studium der Physik in Freiburg und Braunschweig war er in Forschung und Lehre tätig an der Physikalisch Technischen Bundesanstalt Braunschweig, dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching und bis zu seiner Emeritierung 2002 an der Universität Osnabrück. Seitdem widmet er sich dem Erforschen von Handschriften des Mittelalters aus oberrheinischen Klöstern. Anstoß dazu ist seine familiäre Herkunft. Er entstammt einer alten Theologenfamilie aus Marburg, wo Elisabeth viele Jahre lebte und mit 24 Jahren verstarb. Im Besitz der Familie Justi befindet sich eine Sammelhandschrift von 1481, in der Freiburger Nonnen Texte über das Leben der Elisabeth sowie Gebete und Legenden gesammelt haben. In der Handschrift finden sich außerdem 14 Miniaturen, gemalt von der Nonne Sibylla von Bondorf. Sie stellen Szenen aus dem Leben Elisabeths dar. Die ungefähr 250 Jahre nach dem Tod der Heiligen entstandene Handschrift orientiert sich an einem Urtext von 1234 und sei damit sehr nah an der Wirklichkeit, so der Refernt. "Alle später entstandenen Texte sind sehr von Erfindungen und Legenden überlagert", erklärte Prof. Werner Heiland-Justi. 1820 erstand der Marburger Theologe Karl Wilhelm Justi diese wertvolle Handschrift. Durch Erbfolge gelangte sie zu Wilhelm Justi, der bis zu seinem Tod im Jahr 1957 Direktor der Nationalgalerie Berlin war. Nach dem Tod seiner Witwe im Jahr 1975 wurde die Handschrift ein Jahr später von der Deutschen Bücherei in Leipzig 'erworben'. Nach der Wiedervereinigung konnten die Nachfahren Wilhelm Justis in langwierigen juristischen Auseinandersetzungen das Eigentum an der Handschrift zurück gewinnen. Im Gegenzug haben sie der Deutschen Bücherei Leipzig die Handschrift als Leihgabe überlassen.

2007 veröffentlichte Prof. Dr. Heiland-Justi ein Buch unter dem Titel „Das Leben der Heiligen Elisabeth“ im Kunstverlag Josef Fink (Lindenberg im Allgäu), in dem er die Inhalte der mittelalterlichen Handschrift einem breiteren Publikum zugänglich macht. Anhand der Miniaturen und von fotografierten Glasfenstern, schilderte der Autor dem interessierten Publikum in der Klosterkirche auf dem Altenberg Hintergründe zum Leben der Elisabeth von Thüringen. Es sei ungewöhnlich für das Mittelalter gewesen, dass sie sich und ihre Ideen durchsetzen konnte, so  Prof. Dr. Heiland-Justi. Weil sie ihrem Mann Ludwig, der bei einem Kreuzzug verstarb, das Gelübde gegeben hatte, nicht mehr zu heiraten, lehnte sie alle diesbezüglichen Angebote nach seinem Tod ab. Stattdessen wurde die Krankenpflegerin in dem von ihr selbst gegründeten Elisabeth-Hospital in Marburg.

Nach ihrem Tode habe es mehrere Versuche gegeben, sie heilig zu sprechen. Bei dem ersten Antrag, den Konrad von Marburg stellte, hätten die bezeugten Wunder nicht ausgereicht. Erst später hat die katholische Kirche genügend Wunder gefunden, die für die Heiligsprechung reichten. Diese würden aber eher auf Legenden zurückzuführen sein als auf wahre Begebenheiten, so der Referent. Das bekannteste Wunder sei das Rosenwunder, nach der Elisabeth von Thüringen gegen den ausdrücklichen Wunsch ihres Mannes in einem Korb verdeckt Brot zu den Armen brachte, ihrem rückkehrenden Mann begegnete, von ihm zum Aufdecken des Korbs gezwungen wurde und sich das Brot in Rosen wandelte. Bekannt ist auch das Kruzifix-Wunder. Ludwig von Thüringen erfuhr von seiner Mutter, dass Elisabeth einen Leprakranken im eigenen Ehebett pflege. Als Ludwig darauf das Schlafzimmer aufsuchte, soll er im Bett anstelle eines Leprakranken den gekreuzigten Christus gesehen haben. Auch das Mantelwunder wird ihr zugeschrieben. Elisabeth habe mit ihrem Mantel einen Bettler gekleidet und später ihren Mantel von Engeln zurück erhalten.
 
Dennoch sei sie die bekannteste Frau des Mittelalters. "Sie war eine frohe, junge Frau, die mit den Menschen gelacht und geweint hat", sagte er und bedauerte: "Das Lachen der Elisabeth ist aus der Literatur verschwunden." Das Besondere an der Königstochter sei gewesen, dass sie selbst eingegriffen habe. "Sie hat die Menschen gepflegt und gewaschen, sie getröstet und ermuntert."

Erstellt am 07.10.2011 von Lothar Rühl
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