
Der Verein Kloster Altenberg will sich an dem Zukunftskonzept für das ehemalige Prämonstratenserinnenkloster bei Oberbiel beteiligen. Dies hat die außerordentliche Mitgliederversammlung unter dem Vorsitz von Landrat Wolfgang Schuster (SPD) beschlossen. Der Verein solle sich konstruktiv in die Gespräche einbringen und über ein Zukunftskonzept verhandeln. Mit etwa 50 Teilnehmern sei dies die bestbesuchte Mitgliederversammlung gewesen, die damit das Interesse der Anwesenden an der Zukunft des Altenberges deutlich mache. An der Sitzung nahmen auch der Eigentümer des Klosters, Johannes Graf Oppersdorff, und sein Anwalt Andreas Voigtländer-Tetzner teil. Oppersdorff dankte den Vereinsmitgliedern, die sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für den Erhalt des Klostern einsetzten. Dieses Engagement solle auch in Zukunft erhalten bleiben. Deshalb sei es gut, wenn der Verein Mitglied in der neuen Trägergesellschaft für den Altenberg werde. Geplant ist eine gemeinnützige GmbH zu gründen, in der die Königsberger Diakonie, das gräfliche Haus Solms-Braunfels, der Verein Kloster Altenberg und weitere Partner Gesellschafter mit einer noch zu bestimmenden Einlage werden. Für drei Jahre hat der Graf der Königsberger Diakonie, die den Altenberg bis 2054 gepachtet hat, die Pacht erlassen und will die Kosten selbst tragen. In dieser Zeit soll die gGmbH zum einen den laufenden Betrieb des Klosters sichern und zum anderen ein zukunftsfähiges Konzept entwickeln. Graf Oppersdorf und Voigtländer-Tetzner betonten, alle Veranstaltungen im Kloster müssten künftig ertragbringend oder zumindest kostendeckend abgewickelt werden. Insbesondere Hochzeiten, die sehr beliebt sind in dem barocken Ambiente, sollten die Kasse nicht belasten sondern mit zum Unterhalt des 1170 gegründeten Klosters beitragen. Ferner erhofft sich der Graf Spenden an die gGmbH. Der Graf sagte, seine Familie komme der Königsberger Diakonie auch deshalb entgegen, weil sie über Jahrzehnte einen großen Beitrag für den Altenberg geleistet habe. Das „kleine Entgegenkommen“ solle auch ein Signal geben für die Zukunft. „Es ist relativ selbstverständlich, dass wir diese Leistungen würdigen“, meinte der Graf. „Wir wollen gerne mit der Königsberger Diakonie und dem Verein zusammen an der Zukunft arbeiten.“
Schuster konnte unter den Teilnehmern auch Alt-Landrat Karl Ihmels, den Ersten Kreisbeigeordneten Wolfgang Hofmann und die Ehrenamtliche Stadträtin Sigrid Kornmann begrüßen, die im Auftrag des Wetzlarer Magistrats an der Sitzung teilnahm.
Der Landrat betonte, der Graf sei nicht an der wirtschaftlichen Misere der Königsberger Diakonie Schuld. Wenn dieser Eindruck in der Öffentlichkeit entstanden sei, so sei dies falsch. Vielmehr sei die Königsberger Diakonie in Schieflage geraten durch eien Pflege, die zwar anerkannt gut ist, so der theologische Leiter Pfarrer Jörn Contag, die aber nicht auskömmlich arbeite. Über die Jahre sei mehr Geld ausgegeben worden als einkomme. Diesem Trend habe die Leitung nicht mit der nötigen Intensität und dem Willen zur Strukturveränderung gegen gearbeitet. Contag dankte den heimischen Sparkassen und der Volksbank, die mit ihren Überbrückungskrediten das Fortbestehen der Königsberger Diakonie ermöglichten.

Graf Oppersdorf teilte mit, dass die Gespräche über ein Nutzungskonzept mit der Fachhochschule Gießen-Friedberg und dem Land Hessen noch nicht aufgegeben wurden. Eine am 14. Juni geführte Unterredung zwischen dem FH-Präsidenten Dr. Günther Grabatin und Staatsminister Dr. Christean Wagner sei hoffnungsvoll verlaufen. Weitere Gespräche mit dem Staatsministerium, dem Finanz- und Kultusministerium seien für den 24. Juni vereinbart, bei dem eine Entscheidung erwartet wird.
„Wir wollen alles tun, um das einzigartige Kulturdenkmal der Region zu erhalten“, so Schuster. Der Vorstand schlug vor, dass der Verein sich zunächst auf die Dachsanierung des Klosters konzentriere. Dazu solle ein Antrag gestellt werden, die von der Denkmalpflege des Landes Hessen für das Gertrudishaus im vergangenen Jahr bewilligten 98.000 Euro umzuwidmen. Geschäftsführer Reinhold Schmidt bezifferte die Kosten für die Reparatur des Süd- und Westdaches sowie des Turmes auf rund 345.000 Euro. Der Verein werde aus seinen Rücklagen 172.000 Euro für diese Maßnahmen beisteuern. Die Reparaturen seien dringend notwendig. Auch der Dachreiter sei sanierungsbedürftig. Das Norddach könne bei den derzeitigen Finanzen nicht repariert werden. Nach Architektenangaben könne diese Maßnahme um fünf bis acht Jahre verschoben werden.