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Besuch in Königsberg

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 15 Teilnehmer unter der Leitung von Dieter Nebeling sowie Willi Merkel und Heinz Günther (Braunfels) haben die ehemalige Stadt Königsberg in Ostpreußen besucht. Das heutige russische Kaliningrad war erneut Ziel einer Reise von Mitgliedern und Freunden der Königsberger Diakonie in Wetzlar. Unter ihnen war auch die ehemalige Oberin Schwester Hannelore Skorzinski. Die Gruppe hat die seit Jahren bestehenden guten Beziehungen zu den heutigen Mitarbeitern in dem ehemaligen Diakonissen-Krankenhaus der Barmherzigkeit gepflegt, das als Gebietskrankenhaus auch über 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges weiter besteht. Das „Krankenhaus der Barmherzigkeit in Königsberg/Preußen“ war vor 160 Jahren, also 1850, eröffnet worden. Bei ihrem Besuch wurde die mittelhessische Gruppe von der Chefärztin Dr. Alla Gortschakowskaja freundlich begrüßt. Sie berichtete von Plänen, die chirurgische Station zu erweitern und erzählt von nötigen Anschaffungen medizinischer Geräte, was infolge der Wirtschaftskrise erschwert sei. Ein Problem des Krankenhauses mit 930 Betten ist es, Pflegekräfte zu finden. Die Klinik hat nur 15 Schwesternschülerinnen. Der Dienst werde überwiegend von älteren Schwestern getan, da die Bezahlung gering, aber die Belastung hoch sei.

Im Jahr 1991, nach der politischen Wende, kam es zu einem ersten Besuch in Kaliningrad.  Seitdem gibt es jährliche Begegnungen. Die Schwestern sind daran interessiert vom Ursprung des Krankenhauses und vom Wesen des diakonischen Auftrages zu erfahren.

Die Chefärztin dankte für die jährlichen Einladungen. Im September werden erneut fünf Krankenschwestern aus Kaliningrad in Mittelhessen erwartet. Pfarrer Nebeling berichtete, dass im Krankenhaus noch die ursprünglichen Aufzüge die Patienten in die verschiedenen Stockwerke bringen. Die Gruppe entdeckte im großen Vortragssaal erstmals auch Schilder mit dem früheren Namen „Krankenhaus der Barmherzigkeit“. Dies sei ein Anzeichen, dass die durch den Weltkrieg einst belasteten Beziehungen zu einer Normalität finden, so Pfarrer Nebeling.

Einige Mitglieder der Reisegruppe besuchten den früheren Chefarzt Dr. Konstantin Poljakow, der nun als Politiker tätig ist. Er zeigte sich erfreut über das Wiedersehen. Einige Schwestern haben die Reiseteilnehmer bei Ausflügen begleitet und für ihre Mahlzeiten gesorgt. Seit einigen Jahren  erhalten die deutschen Besucher Einblicke in das Leben der Krankenhaus-Mitarbeiterinnen bei Einladungen in deren Familien. Ein Ausflug führte auf die Datscha (Gartenhaus) einer Krankenschwester in der Nähe der Stadt Heiligenbeil. Unterwegs gedachte die Gruppe der Menschen, die 1945 über das zugefrorene Frische Haff vor den herannahenden russischen Truppen geflohen sind.

Bei einer Busfahrt besuchten die Wetzlarer zahlreiche Sehenswürdigkeiten Kaliningrads. Viele historische Gebäude, darunter viele Kirchen der Stadt waren Ende August 1944 durch britische Luftangriffe fast völlig zerstört worden. Im Dom besuchte die Gruppe ein Konzert mit klassischer Musik für Orgel und zwei Trompeten. Weitere Fahrten hatten das bekannte Seebad Rauschen, das Naturschutzgebiet Kurische Nehrung sowie das Samland zum Ziel. Die Gruppe ging auf die Spurensuche der Geschichte des Bernstein. Sie besuchte eine Bernstein-Manufaktur und auch das Bernstein-Museum in Königsberg. Ein Denkmal an dem früheren Bergwerk erinnert an eines der letzten Massaker an Juden, bei dem im Januar 1945 meist jüdische Frauen ermordet wurden. Auch die 33.000 Einwohner zählende Stadt Pillau (heute Baltijsk) am Ende des Seekanals vor der offenen Ostsee besuchte die Gruppe. Der Hafen und auch ein Soldatenfriedhof, der vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge gepflegt wird, gehörten dort zu den Sehenwürdigkeiten.

Am Sonntag nahmen sie in der evangelischen Auferstehungskirche am Gottesdienst teil, der zweisprachig abläuft. Da Propst Jochen Löber im Urlaub war, wurde er von dem Marburger Neutestamentler Prof. Dr. Ulrich Schoenborn vertreten.

Bild: Die Wetzlarer Reisegruppe vor dem Haupteingang des wieder aufgebauten Königsberger Domes.

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