Geistliches Wort

Liebe Leserinnen und Leser,

schauen wir uns in unseren Gemeinden oder auch hier bei der Königsberger Diakonie um, dann begegnen uns zumeist Frauen, die hier mitarbeiten oder hier wohnen. Dann sieht es so aus, als wäre Kirche und Diakonie eher „Frauensache“.

Wenn wir im Gottesdienst in Lesungen und Predigten von den Jüngern Jesu hören, dann sehen wir vor unserem inneren Auge lauter Männer: erst die Zwölf, dann zweiundsiebzig weitere Jünger. Auch Paulus schreibt in seinen Briefen an die „lieben Brüder“. Dann sieht es so aus, als wäre Kirche und Diakonie eher „Männersache“.

Im Lukasevangelium, Kapitel 8, 1-3, aber hören wir ganz ausdrücklich von Frauen um Jesus.  Ich (als Frau) freue mich, dass Lukas auch die sonst unsichtbaren Frauen sichtbar macht:

8, 1-3 Und es begab sich danach, dass er, Jesus, durch Städte und Dörfer zog und predigte und verkündigte das Evangelium vom Reich Gottes; und die Zwölf waren mit ihm, dazu einige Frauen, die er gesund gemacht hatte von bösen Geistern und Krankheiten, nämlich Maria, genannt Magdalena, von der sieben böse Geister ausgefahren waren, und Johanna, die Frau des Chuzas, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihnen dienten mit ihrer Habe.

Dieses „Dienen“ meinte die Versorgung von Jesus und der Gruppe um ihn herum mit allem, was gebraucht wurde. Aus Dankbarkeit darüber, dass sie von Jesus angesehen und geheilt wurden, finanzierten sie Jesus und seine12 Jünger und ermöglichten ihnen ihr Wanderleben mit ihrem Geld. Nach damaligem Empfinden war das unerhört, dass Jesus Frauen als Jüngerinnen aufnahm. So revolutionär, wie die Tatsache, dass Frauen ihr Heim verließen, um sich ihm anzuschließen. Von den vielen Frauen werden drei auch namentlich genannt.

Maria Magdalena ist die bekannteste von ihnen. Sieben Dämonen soll Jesus ihr ausgetrieben haben. Was das für eine Krankheit oder Besessenheit war, darüber kann man nur spekulieren. Sicher ist: Sie hat durch Jesus am eigenen Leib die heilende Liebe Gottes erfahren bis in die tiefste Tiefe der Seele hinein. Sie bleibt bei ihm. Im Johannesevangelium ist sie die erste Zeugin seiner Auferstehung.

Johanna hat das sicherlich bequeme und gutsituierte Leben am Hof des Herodes aufgegeben, um Jesus zu dienen. Sie steht mit den anderen Frauen unter dem Kreuz und ist eine von denen, die Jesus salben wollen und das Grab am Ostermorgen leer finden.

Von der dritten namentlich genannten Frau, von Susanna, wissen wir sonst nichts - nur, dass sie eben mit den vielen anderen (namenlos gebliebenen) Frauen Jesus und seine Jünger von Anfang an unterstützte.

Jetzt in der Passionszeit hören wir von weiteren (namenlose) Frauen: Eine Frau zeigt Jesus ihre Liebe, in dem sie ihn mit kostbarem Nardenöl salbt (Mk 14, 3-9). Ohne es zu wissen, nimmt sie seine Totensalbung vorweg, zu der es nicht mehr kommen wird. Eine andere ist die Ehefrau des Pilatus. Sie warnt ihren Mann, dass er sich nicht schuldig machen soll an Jesu unschuldigen Tod (Mt 27, 15-30). Es sind Frauen, die um ihn klagen, als er sein Kreuz auf sich nehmen muss (Lk 23, 26-31) und Frauen, die den Mut haben bis zuletzt unter seinem Kreuz zu bleiben und die dann am Ostermorgen zu den ersten Zeugen seiner Auferstehung werden.

Am 8.März ist der (115.) Weltfrauentag. Das Motto lautet dieses Jahr "Give To Gain" –„Geben, um zu gewinnen“. 

Bei den Frauen um Jesus scheint es andersherum gewesen zu sein. Sie gaben nicht, um etwas zu gewinnen, sondern sie waren beschenkt worden und aus Dankbarkeit gaben sie Jesus, was sie hatten. Ihr Geld, ihre Liebe, ihr Leben.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Passionszeit!

Ihre Birgit Meier, Pastorin